Verbandsgeschichte

Die Geschichte des Aikido-Verbandes Niedersachsen e.V.

„Das wollte ich auch können!“, waren die Worte des beeindruckten Klaus Liermann als er im Jahre 1966 den Vorführungen Meister Asais beiwohnte, der mit unglaublicher Leichtigkeit die ihn angreifenden Schüler an ihm vorbei oder um ihn herum ins Leere führte.

Künstlerisch, ja fast tänzerisch und doch mit unabdingbarer Konsequenz bot Meister Asai seinen Gegnern kein geeignetes Ziel und verletzte sie dennoch nicht.

Aikido KanjiAi; Die Harmonie; Wenn du angegriffen wirst, so schließe den Angreifer in dein Herz.

Ki; Die Energie; In der Vereinigung von Kräften in eine fließende Bewegung entsteht ein harmonisches Miteinander.

Do; Der Weg; Aiki ist keine Technik, um den Feind zu bekämpfen oder zu besiegen. Es ist der Weg, die Welt zu versöhnen und aus den Menschen eine Familie zu machen.

Aus diesen Bildern und den Worten, die Geist und Herz trafen, entsprang ein Funke: Der Wunsch,
das Aikido nach Deutschland zu bringen.

Doch es brauchte einen Meister, der Aikido unterrichten konnte. Und schon kurze Zeit später kam Gerd Wischnewski aus Japan zurück, voll bepackt mit Techniken und Weisheiten des O-Sensei Morihei Ueshiba.

Im Deutschen Judo-Bund fand Aikido dann 1967 seinen ersten Platz.

Wo auch immer im Bundesgebiet Aikido-Lehrgänge veranstaltet wurden, reisten Schüler und Meister gleichermaßen weite Wege um möglichst keinen Lehrgang mehr zu verpassen und um Aikido zu lernen und weiter zu verbreiten.

Und so gingen einige Jahre ins Land, in denen die Lehrer in den Vereinen oft nur einen Kyu höher graduiert waren als ihre Schüler. Bei den Lehrgängen fand man bald heraus, dass es in der norddeutschen Landschaft bereits acht Vereine gab, die Aikido betrieben.

Klaus Liermann1970 dann wurde unter dem Dach des niedersächsischen Judo-Verbandes die Sektion Aikido in Niedersachsen gegründet, der Vorläufer des heutigen Landesverbandes AVNI. In anderen Bundesländern fand gleiches statt. Inzwischen gab es auch die ersten Dan-Träger im Aikido. Ein ordentliches Stück Fleiß, Lernwillen, Enthusiasmus und die Liebe für Aikido ließen Meister, Lehrer und Schüler durchhalten und voranschreiten.

Doch nahmen sich zu dieser Zeit auch lange Weggefährten zunehmend zurück und schufen Raum für neue Energien. So trat Gerd Wischnewski von seinem Amt zurück und Rolf Brand übernahm die Position des Bundestrainers.

Unser Verbandsgründer Klaus Liermann trat in dieser Zeit schon immer häufiger auf die Aikido-Bühne und übernahm ehrenamtliche Aufgaben über das reine Aikido-Training hinaus. Aikido war für ihn zu einer Passion geworden.

DAB LogoIm Jahr 1977 wurde der Deutsche Aikido-Bund ins Leben gerufen und die Sektionsleiter aufgefordert eigene Landesverbände zu gründen. Klaus in vorderster Front für Niedersachsen in den Startlöchern, stellte sich der Herausforderung. Es ging darum, andere Aikidoka und Vereine für die Sache zu begeistern.

 

AVNI Logo

Am 11.02.1978 wurde dann in Hannover der Aikido-Verband Niedersachsen e.V. gegründet.

 

Die acht Gründungsvereine des AVNI waren:

  • Post-Sportverein Hannover
  • Braunschweiger Judo-Club
  • Oyama Karate Kai Neustadt
  • Judo-Club Steinhuder Meer
  • VfK-Langenhagen (heute VfB Langenhagen)
  • Turnclub Einbeck
  • Aikido-Verein Hannover
  • Aikido-Club Northeim

Was sich am Anfang gut anhörte und die Aikidoka motivierte, erwies sich bald als große Herausforderung. Die Anerkennung unseres Aikido-Fachverbandes durch den Landes-Sportbund ließ auf sich warten. Zuerst forderte dieser die im Judo-Verband verbliebenen Aikidoka, die Mitglieder des inzwischen gegründeten Aikikai und unser Verband sollen sich zusammenschließen um einen eigenen Dachverband zu gründen. Am liebsten außerhalb des Landessportbundes. Doch die Prinzipien und Tendenzen der drei Aikido-Verbände hatten sich inzwischen unterschiedlich weiter entwickelt, so dass der Zusammenschluss immer nur einen Kompromiss bedeutet hätte.

„Auf geht’s. Wir sind doch Kampfkünstler. Lasst uns für unsere Unabhängigkeit kämpfen!“

Und so bot der Aikido-Verband Niedersachsen, unter Klaus Liermann, den Funktionären des Landessportbundes die Stirn.

Hammer & WaageGerichtsverhandlung vorm Landgericht Hannover – Klage gewonnen.

Doch der finanziell stärkere Landessportbund reichte Berufung ein. „Wollten die uns finanziell ruinieren?“

Eine zweite Gerichtsverhandlung vorm Oberlandesgericht Celle – Klage gewonnen.

Und auch diesmal spielte der Landessportbund auf Zeit und legte Revision ein. Die vielen Schriftstücke, Briefwechsel, Stellungnahmen fraßen Geduld und Freizeit, doch das Aikido-Training verpasste keiner der Beteiligten. Denn alle wollten Aikido machen. Dafür lohnte es sich Opfer zu bringen.

Die finanziellen Möglichkeiten unseres Verbandes waren erschöpft, selbst die des Deutschen Aikido-Bundes. Sollten die Funktionäre des Landessportbundes am Ende doch siegreich sein? Indessen fanden sich auf Seiten der Aikidoka weitere Enthusiasten, so dass private Gelder und Kredite die nächste Gerichtsinstanz auf den Plan rief.

Die dritte Gerichtsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. – Die Klage wurde abermals gewonnen. Wie der Wettstreit zwischen David und Goliath fiel auch dieses Scharmützel zu Gunsten des Kleineren aus. Ganz nach dem Motto Uyeshibas: Nimm die Energie deines Gegner auf und führe sie sanft, aber bestimmt auf ihn zurück.

Nach acht nervenaufreibenden Jahren, es war inzwischen 1986, hatte sich die Geduld und auch Hartnäckigkeit ausgezahlt. Der Aikido Landesfachverband Niedersachsen war offiziell anerkannt und konnte nunmehr die Vorteile, wie die finanzielle Förderung durch den Landessportbund in Anspruch nehmen. So waren die Gedanken anfangs.

Aber nach diesem Urteil erwies sich die Zusammenarbeit mit dem Landessportbund weiterhin als schwierig. Es waren noch viele Hürden zu überwinden, doch nach guter Aikido-Manier führten Feingefühl, Wohlwollen und Herzlichkeit unseres Verbandsvorstandes dazu, dass der Landessportbund uns bis heute als ebenbürtigen Partner in der Sportwelt anerkennt.

1989, nach zwölf Jahren als Vorsitzender des Aikido-Verbandes und davor sieben Jahre als Sektionsleiter, stellte Klaus Liermann sein Amt – wie er sagte – aus beruflichen Gründen zur Verfügung. Auch wenn sein Herz, nach wie vor, für Aikido schlägt, und seine Hände Taten suchen; so galt es doch Schülern und Meistern den Weg zu bereiten und sie alsbald für die Verantwortung zu gewinnen. Als Dank und Anerkennung für sein Engagement wurde ihm im September 1989 vom DAB die silberne Ehrennadel verliehen.

Als neuer Vorsitzender übernahm Arnd Schlicke 1989 das Amt und trat in die Fußstapfen Klaus Liermanns, nachdem er schon einige Jahre zweiter Vorsitzender war. Im gleichen Jahr wurde Klaus für seine Verdienste um den AVNI zum Ehrenvorsitzenden des Aikido-Verbandes ernannt.

In dieser Funktion lebt Klaus bis zum heutigen Tage Aikido. Viele andere Vorstandsmitglieder wurden und werden von ihm gerne beraten den Weg des Aikido nicht zu vergessen und im Herzen zu tragen.

Günter HeeseIn den Jahren 1993 – 2002 engagierte sich Günter Heese als Vorsitzender des AVNI. Dieser hatte zuvor bereits verschiedene Ehrenämter im Landesverband inne. Bei der Neugründung der Aikido Union schloss sich Günter diesem Aikido-Verband an und wechselte im April 2002 in das dortige Präsidium.

Alfred HeymannZu diesem Zeitpunkt zog es Alfred Heymann aus dem Hessischen in den niedersächsischen Südharz. Er übernahm den Posten des 2. Vorsitzenden in unserem Landesverband und wurde zugleich als ranghöchster Aikidoka Regionaltrainer für Niedersachsen. Alfred ist auch auf Bundesebene sehr aktiv. Als Mitglied der Technischen Kommission und als Bundestrainer des DAB füllt er diese Ämter bis zum heutigen Tag mit viel Engagement und Leidenschaft aus.

Markus Traupe wurde als Nachfolger von Günter Heese in das Amt des 1. Vorsitzenden des AVNI gewählt und leitete diesen bis ins Jahr 2009. Unser Landesverband feierte während seiner Amtszeit das 25- und das 30-Jährige Jubiläum. Die Anerkennungsprobleme durch den Landessportbund gehörten der Vergangenheit an – die Konzentration galt nun der inneren Ausrichtung des Verbandes.

Norbert Knoll2009 übernahm Norbert Knoll, ein langjähriger Schüler Klaus Liermanns, den Vorsitz des AVNI. Zu einem wichtigen Aufgabenschwerpunkt zählt heute, die Anforderungen umzusetzen, die über den DOSB und LSB an die Landesfachverbände herangetragen werden. Zudem stellt das schwindende Traditionsbewusstsein in unserer Zeit die Herausforderung, Anreize zu schaffen, um ein attraktives Aikido in den Vereinen zu ermöglichen und neue Mitglieder zu gewinnen.

Fazit: Nach diesen Jahren, in denen Wegbereiter die Wogen und Gemüter glätteten; In den neuen Zeiten, in denen es immer schwieriger wird, Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen; Mitglieder im Sportverein zu halten, da können sich die Aikido-Vereine Niedersachsens mit ihrem Landesverband groß auf die Fahne schreiben:

Wir machen Ai-ki-do!

 

 

Vorstand und Regionaltrainer des Aikido-Verbandes Niedersachsen e.V.

Tabelle der Vorstände und Regionaltrainer

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Text: Klaus Liermann, Norbert Knoll, Lutz Günther
Fotos: Pixabay, Lutz Günther, Norbert Knoll, Werner Musterer